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380kv - ein Gedicht

Unser Clubpoet fand, kurz vor seinem 100. Geburtstag,
zur 380kV-Attacke hier wohl genau die richtigen Worte:

Herr von Darum

Herr von Darum zu Darum im Darumer Land,
ein Birnbaum in seinem Garten stand.
Und kam die goldene Herbsteszeit,
und die Birnen leuchteten weit und breit,
da stopfte, wenn's Mittag vom Turme erscholl,
der von Darum sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
so rief er: „Junge, wiste 'ne Beer?“
Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.“

Das ging so Jahre, bis schreckensam,
der von Darum zu Darum ein Schreiben bekam.
Da stand zu lesen, oh Herr, welch ein Graus,
„Wir bauen eine Trasse, entlang dieses Haus‘,
mit irre viel Strom, 380 kv, 
wohl später noch mehr, wer weiß das genau.
Sie wird mit riesigen Masten bestückt,
in breiten Schneisen durch den Wald gedrückt,
das Vorhaben haben Sie tunlichst zu dulden,
für Schäden gibt’s nachher nur einige Gulden.“

Herr von Darum zu Darum regte sich auf:
„Das kann ich nicht dulden, da steh ich doch auf,
und setze mich gegen diese Willkür zu Wehr,
hier oben auf dem Teuto müssen Erdkabel her!
Freileitungen zerstören doch uns‘re Natur,
das darf nicht sein, da bleiben wir stur!“

Doch was konnt‘ er machen, der feine Herr?
So mächtig der Gegner, wie geht nur die Wehr?
Da kam ihm dann schließlich doch die Idee:
„Ich setze ein Mahnmal, wie ich es versteh‘,
hoch oben auf dem Gipfel der Darumer Höh‘,
pflanz ich einen Kirschbaum, dass ein jeder ihn seh‘.

Gesagt, getan, er pflanzte ihn ein,
am 21. September, da sollte es sein.
Seither ein Kirschbaum den Wegesrand ziert,
hoch oben auf dem Berge, wie‘s sich gebührt.
Und kommt die wärmende Sommerzeit
leuchtet's in Darum nun weit und breit.
Und kommt übern Berge ein junger Bursch,
so flüstert's im Baume: „Wiste 'ne Kirsch?“
Und kommt ein Mädel, so flüstert der Baum,
„Dirn, hebb ein paar Kirschen, sie sind ein Traum!“

So spendet Segen seitdem die Hand
des von Darum zu Darum im Darumer Land.
Und wage nur keiner, hier Hand an zu legen,
und Darums Kirschbaum abzusägen.
Sonst bekommt er von Darum über kurz oder lang,
die Quittung beim nächsten Urnengang.

Und wie in Darum gilt all‘ auf der Welt,
wer die Natur und die Sinne quält,
erhält nicht länger Volkes Stimmen,
und wird nie mehr 'ne Wahl gewinnen!
Und die Moral von der Geschicht:
„Pflanzt Bäume, aber fällt sie nicht!“

Peter Städler  (OGC-Ehrenmitglied und Korridor A – Anrainer)