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380kv: Das Schreckensjahr 2019

Zur Historie 380kv: Das Schreckensjahr 2019!

Womit niemand gerechnet hat, und niemand rechnen konnte: Nach jahrelangen Untersuchungen zur Trassenführung von Projekt 16, dem Abschnitt vom Umspannwerk Wehrendorf zum Umspannwerk Lüstringen, kam Amprion urplötzlich zu dem Schluss, dass der „verträglichste“ Weg für die 380kv-Freileitungsstrecke der Korridor A sei. Und Korridor A soll nach den Vorstellungen Amprions quer über unseren Platz führen. Was im Klartext bedeutet: Unser Platz soll mit kirchturmhohen Freileitungsmasten bestückt und durch eine 100 m breite Kahlschneise in zwei Hälften zerteilt werden. Was für ein Irrsinn! Absolut existenzgefährdend für den Club!

Die Nachricht ereilte uns am 06. Mai - und schlug ein wie eine Bombe! Nicht nur bei uns, bei allen Bewohnern entlang Korridor A, sowie bei Hunderten von Anhängern unserer einmalig schönen Kulturlandschaft, hier oben auf dem bislang völlig unbelasteten Höhenzug des Teutoburger Waldes. Nach der ersten Schockstarre gründete sich jedoch alsbald heftiger Widerstand. Bestens organisiert durch die aus dem Stand gegründete Bürgerinitiative Darum-Lüstringen (BI Darum), die sich mit ihrer gelbschwarzen Homepage sofort eine schlagkräftige Plattform schaffte und fortan mit PR-wirksamen Aktionen die Politiker aller Schattierungen aufrüttelte und sie für ihr zentrales Ziel zu vereinnahmen suchte: „Keine 380kv-Freileitungen am Teuto, die Kabel müssen in die Erde!“

Ein Ziel, das auch der OGC verfolgt! „Doch bedeuten Erdkabel nicht ähnliche große Kahlschneisen wie Freileitungen?“, so wurden wir oft gefragt. Das sicherlich nicht, eine Erdkabelschneise wäre erheblich schmaler, bei Einsatz der zukunftsträchtigen AGS-Technik sogar nur wenige Meter breit. Doch viel wichtiger ist: Erdkabel können ganz andere Streckenverläufe nehmen, auch relativ dicht an Häusern vorbei, wie im Stadtgebiet der Fall. Deshalb ist davon auszugehen, dass Amprion wohl kaum eine Erdleitungstrasse quer über unseren Golfplatz legen würde, bei anderen Verläufen über Wiesen und Äcker hinweg würde sie weit geringere Schäden verursachen, und damit für Amprion weit niedrigere Entschädigungsleistungen bedeuten.

Außerdem waren wir uns von vornherein in einem einig: Das Sankt-Florians-Prinzip („Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ and‘re an!“) kommt für den OGC überhaupt nicht in Frage. Wenn Freileitungen uns nicht erwischen, dann andere auch nicht! Und dafür haben wir, Seite an Seite mit der BI-Darum, gekämpft. Mit Erfolg! Die Bevölkerung wurde zunehmend für unsere Sache vereinnahmt, und die Medien und Politiker auch!  Nicht zuletzt auch durch Ihr Engagement, liebe Mitglieder! Allein schon aufgrund Ihrer enormen Präsenz! Bei allen wichtigen politischen Veranstaltungen haben Sie die Zahl der Interessenvertreter enorm gesteigert, fast schon verdoppelt.

Das galt insbesondere für den ersten wichtigen Termin, die Ratssitzung am 19. Juni im Rathaus zu Bissendorf, an dem Amprion, im Beisein von Bernhard Heidrich vom Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems, seine Antragsunterlagen zu rechtfertigen suchte. Und gnadenlos Gegenwind bekam, nicht zuletzt auch von unserem Präsidenten. Das Rathaus war berstend voll, dank weit über 200 OGC-Mitglieder!

Mit ähnlich großem OGC-Aufgebot ging es auch zur Veranstaltung mit Thomas Bareiß am 28. August. Zwar geriet sie zur Farce, da Peter Altmaiers Parlamentarischer Staatssekretär für Wirtschaft und Energie völlig überfordert und zu keinem brauchbaren Statement fähig war, doch wieder hat der übervolle Saal, davon jeder Dritte ein OGC-Mitglied, keinen Zweifel daran gelassen, wie ernst es unserer Region um die Wahrung seiner Interessen ist.

Das haben auch die vielen großen Veranstaltungen der BI-Darum sehr deutlich gemacht, wie z.B. die gemeinsame Erdkabelverlegung mit Hacke und Schaufel am 20. Juli, der Aktionstag mit rauschendem Hoffest und spannendem Diskussionsforum auf dem Hof Vogt am 28. August oder auch der Laternenumzug über Korridor A hin zur Schelenburg am 16. November. Allesamt sehr medienwirksam, weil originell und gut besucht – und immer waren unsere OGC-Mitglieder mit Mann und Maus dabei! Kein Wunder, haben alle Veranstaltungen den Beteiligten doch auch ganz viel Spaß bereitet. Alles mit leichter Hand organisiert und koordiniert  -  kreativ, lustig, spannend, da kam nie Langeweile auf. Dem BI-Darum sei für ihre schönen, einfallsreichen Aktionen sehr herzlich gedankt! Allen zahllosen Helfern, und ganz besonders ihren beiden charmanten Speerspitzen Nadine Handt und Incarnata Humpert-Glosemeyer! Was die beiden an persönlichem Einsatz gezeigt haben, ist schier unglaublich. Und das mit ganz viel Organisationsgeschick, Durchsetzungsvermögen, Kreativität und Empathie. Tolle Manager, tolle Menschen, tolle Nachbarn, herzlichen Dank!

Am Ende dann doch noch ein Fünkchen Hoffnung. Nicht für die totale Erdverkabelung in der ganzen Region. Wer darauf gebaut hat, wird wohl enttäuscht. Doch wird es neue Lösungen geben!  Diesen Eindruck zumindest gewannen die Besucher auf der dritten Bürgerversammlung zum Thema 380kv im Rathaus Bissendorf, am 05. November, diesmal zusammen mit Olaf Lies. Von Beruf Ingenieur, politisch wie technisch voll im Thema, wusste der niedersächsische Umweltminister recht gut zu punkten. Zwar war seine Botschaft eindeutig: „Die Erdverkabelung wird die Ausnahme bleiben!“ Doch sagte er zu, dass Engstellen erdverkabelt werden. Und dass der OGC eine Engstelle ist, steht für uns, und nicht nur für uns, außer Frage.

Und noch eine Zusage von Olaf Lies haben wir gern zur Kenntnis genommen: „Warten Sie doch bitte erst einmal das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens ab, und wenn es vorliegt, dann treffen wir uns wieder und sprechen darüber!“  Noch hellhöriger wurden wir beim kleinen Intermezzo von Bernhard Heidrich, der fast unbemerkt vom Auditorium die Bemerkung fallen ließ, dass sein Amt für regionale Landesplanung (ArL) dabei ist, die Trassenführung nochmals vollständig zu überarbeiten - und dabei ganz andere Bewertungskriterien als Amprion zugrunde legen wird.

All‘ das macht Hoffnung. Und auch die Worte von Olaf Lies: „Korridor A im Norden darf man nur im Zusammenhang mit den Korridoren im Süden (von Lüstringen nach Gütersloh) sehen!“  Was dafür spricht, dass die ersten Kilometer aus Osnabrück heraus nicht über Darum laufen, sondern eher südlich der Autobahn A30. Folgerichtig befasst sich Amprion urplötzlich wieder mit Korridor B. Am 23. November bekamen die Anwohner von Voxtrup und Natbergen Post von Amprion mit dem Anliegen, auf den dortigen Grundstücken Untersuchungen durchführen zu können. Und dann, kurz vor Redaktionsschluss, ändert Amprion seine Meinung, gibt einen neuen Erläuterungsbericht heraus und beantragt Korridor B als Vorzugsvariante für die landesplanerische Feststellung.

Korridor B verläuft ein ganzes Stück südlich, und würde den OGC verschonen. Also aufatmen und zurücklehnen? Die klare Antwort darauf: Nein! Wenn man sich den neuen Erläuterungsbericht näher anschaut, dann ist die Präferenz für den Korridor B nur hauchdünn. Es ist absolut noch alles möglich! Es kann uns immer noch treffen.

Selbst wenn es beim Korridor B bliebe, würden die dortigen Anrainer, darunter auch einige OGC-Mitglieder sowie die uralte Schelenburg, die schrecklichen Riesentürme vor der Nase haben. Wenn das Kabel nicht auch dort unter die Erde kommt! Deshalb geht der Kampf weiter! Wenn nicht für uns, dann für andere. Damit es am Ende nicht heißt: „Die einflussreichen Golfer haben es mal wieder geschafft, das Unheil für sich selbst abzuwenden, und nun haben wir es vor der Tür!“ Das wollen wir nicht, und den schlechten Ruf schon mal gar nicht! Denn er wird unserem Club in keiner Weise gerecht ..