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Der Schwung der frühen Jahre: 1955 - 1959

Der Funke springt über

Es war ein heißer Mittwochnachmittag in den frühen fünfziger Jahren, als die Idee für den Osnabrücker Golfclub auf die Welt kam. Ausgerüstet mit Schlägern und Bällen, traf sich Heinz Kreft mit seinen Vereinskameraden wie jeden Mittwoch – zum Tennis. Heiß war der Sommer, nicht minder heiß das Match,
zu heiß eigentlich, um es noch richtig zu genießen. Da kam Heinz Kreft auf den entscheidenden Gedanken: „Eigentlich wäre Golfspielen doch viel angenehmer.“ Und dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los.
Bereits in jungen Jahren war er während eines Aufenthalts in den USA auf das Golfspielen gestoßen. Manche seiner weit gereisten Bekannten, unter ihnen Frau Emmy Homann, hatten auch schon anderorts ein paar Schwünge gemacht – die ersten Erreger des Golf- Fiebers breiteten sich rasch in Osnabrück aus.
Beschwichtigungen der Machart „Golfen ist nichts für Osnabrück“ ließ Heinz Kreft nicht gelten:
Warum sollte sich nicht auch in der Hasestadt machen lassen, was in Bremen und Hannover seit langem schon munter im Gange war? Bereits eine Woche später hatte er die Mitgliederliste des Osnabrücker Tennisclubs durchgesehen und etwa 50 Mitglieder herausgesucht, von denen er sich vorstellen konnte, dass sie sich für den Golfsport begeistern ließen. Zudem war die Stimmung günstig für Initiativen wie die einer Vereinsgründung, und zwar gerade in den Mangeljahren der unmittelbaren Nachkriegszeit: Allmählich waren die Verhältnisse wieder leidlich geordnet, und der Aufschwung, später unter dem Namen Wirtschaftswunder bekannt, begann deutliche Konturen anzunehmen.
Die Menschen hatten Lust auf etwas Neues – Golf wurde Stadtgespräch.

 
 

Die Gründung

Die Gruppe von 60 Interessenten, die sich am 4. Februar 1955 in den Räumen der Industrie- und Handelskammer einfand, war nicht nur bereit zum Neu-Aufbau, sondern entschlossen. Bankdirektor Holland aus Hannover, seinerzeit Schatzmeister im DGV, skizzierte an der Tafel einige Finanzierungsmodelle für einen Golfclub in Osnabrück und gab bereitwillig über Details Auskunft. Schon nach kurzer Zeit wurde den versammelten Interessenten klar, was sie in den nächsten Wochen und Monaten beflügeln sollte: Sehr viel mehr als 150000 DM brauchte man nicht für Grundstückskauf und Platzbau. Ein Golfclub in Osnabrück war machbar! Spontan gaben 32 Anwesende ihre Unterschrift unter die Gründungsurkunde und besiegelten damit den Start des späteren OGC. Heute hängt dieses Schriftstück eingerahmt als Gründungsdokument in den Clubräumen. Die Aufbruchstimmung verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den golfgeneigten Osnabrückern: Nur drei Monate nach der Gründungsversammlung zählte der junge Verein bereits 135 Mitglieder, und die nächste Aufgabe stand an: der Erwerb von genügend Grund und Boden, den man später zu Greens und Fairways kultivieren konnte. Diese Initiative brachten vor allem die Herren Wilhelm Karmann, Hans Richter, Hugo Siegers, Dr. Richard Frieß und Paul Meyer voran.

Die Gründungsgemeinschaft

Trotz des großen Enthusiasmus darf man nicht vergessen:
Zu Beginn fehlte es an allem – es gab keinen Vorstand, keinen Vorsitzenden, kein Haus und keinen Platz,
es gab nur geringe Kenntnisse, und vor allem gab es kaum Geld.
So entstand die Idee, die eigenen Kräfte in einer Grundstücksgemeinschaft zu bündeln. Die Grundstücksgemeinschaft Jeggen trat am 22. Juni 1955 das erste Mal zusammen und konnte einen Großteil der nunmehr benötigten Summe aufbringen. Die übrigen Gelder kamen dadurch hinzu, dass viele Clubmitglieder kleinere Anteile zeichneten, wobei der Mindestanteil bei 1000 DM lag. Man entschied sich anfangs dafür, Club und Grundstücksgemeinschaft zu trennen – eine Vorsichtsmaßnahme zum Erhalt des Grundvermögens für den Fall, dass der Club doch scheitern sollte. Die Grundstücksgemeinschaft führte die ersten, sehr schwierigen Verhandlungen, schloss die Verträge, kaufte den Platz und zeichnete auch später für den Bau des Clubhauses verantwortlich. In den folgenden Jahren zog sie sich jedoch immer mehr aus dem Clubgeschehen zurück und bewährte sich damit als geräuschlose und effiziente Lösung.
Zwei Dinge verdienen jedoch Erwähnung, weil sie den besonderen Gründergeist jener Jahre so gut illustrieren:
Zur Grundstücksgemeinschaft Jeggen zählten auch Persönlichkeiten, die später nie Golf gespielt haben. Dennoch waren sie von der Idee eines Golfclubs begeistert und wollten sie fördern. Ebenso haben später manche Eigner ihre Anteile dem Club geschenkt oder vererbt, damit die Gemeinschaftsidee weiterleben konnte. Dies führte dazu, dass der Osnabrücker Golfclub allmählich selbst Teil der Grundstücksgemeinschaft wurde – mit dem angenehmen Effekt, dass der Club zu den wenigen im Lande gehört, die auf eigenem Gelände spielen können.

 
 

Kauf und Platzbau

Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember 1955, war es dann so weit: Die Grundstücksgemeinschaft erwarb das Gelände am Wellinger Berg, eine Anlage, auf der sich neun Löcher unterbringen ließen. Es sollten noch fast drei Jahre vergehen, bis die ersten Schläge in Jeggen geführt werden konnten – beginnend voller Sportsgeist mit einem kleinen Wettkampf auf der Übungsbahn am 26. Mai 1957. Drei Jahre, in denen ein langes Ringen mit den Behörden sich schließlich zugunsten des OGC entschied, drei Jahre, in denen gesät, gehegt und – unter Beteiligung vieler Mitglieder – hart gearbeitet wurde. Mit dem Platzbau hatte man den renommierten Golfarchitekten H.E. Gärtner aus Wiesbaden beauftragt, der im Juni 1956 den endgültigen Plan vorlegte. Bald darauf, im November, wurden die ersten neun Bahnen abgesteckt, Leitungen für die Bewässerung gelegt und das Gelände durchforstet. Als erster Platzmeister konnte Herr Friedhelm Hagedorn gewonnen werden, dessen Gattin Erika die Clubgastronomie übernahm. Da die „Keimzelle“ des OGC kurz vor der Jahreswende 1955 erworben wurde, verdecken die Jahreszahlen ein auch bei heutigem Bautempo nocherstaunliches Faktum: Zwischen erstem Spatenstich und erstem Abschlag lag kaum ein Jahr! Zeitgenossen führen diesen Umstand auch darauf zurück, dass die „Gründergeneration“ sich aus echten Unternehmerpersönlichkeiten rekrutierte – Männer und Frauen, die gewohnt waren, Dinge anzupacken und auch gegen mancherlei Unbill voranzutreiben.

Trockenübungen

Unterdessen trafen sich die immer zahlreicheren Mitglieder zu Trockenübungen, in einem für den heutigen Golfsport gänzlich untypischen Umfeld: Auf dem Dachboden der Firma Hagedorn, umweht von Zugluft und Ballnetzen, übte man die ersten Schwünge – ab 1956 bei Herrn Edwards und später ab 1957 bei Herrn Dunston. Und zwar von morgens 9.00 Uhr bis abends 19.00 Uhr – die Trainerstunden waren ausgebucht! Auch wenn die Vorbereitung auf das eigentliche Platzgeschehen noch etwas abstrakte Züge trug, hatte sich bereits ein regelrechter gesellschaftlicher Sog hin zum Golfsport entwickelt. Innerhalb kürzester Zeit und mit eher behelfsmäßiger Ausstattung entstand ein regelrechtes Golfermilieu – ohne, dass ein Platz auch nur in Aussicht stand! Der heute gerne geäußerte Vorbehalt gegenüber Golf als Zeitvertreib einer finanzkräftigen Elite spielte damals übrigens so gut wie gar keine Rolle: Für viele angehende Golfer war es schwieriger, eine gute Ausrüstung zu bekommen, als die Beiträge für den Club aufzubringen. In den Pionierjahren des Golfsports in Osnabrück war es daher durchaus üblich, einen Schlägersatz unter mehreren Spielern zu teilen – ebenso wie manche gemeinnützige Arbeit für den Verein.

 
 

Platzeröffnung

Dann endlich, ab Mai 1957, schwangen die Schläger erstmals in Jeggen: zunächst auf der Übungsbahn, später, am 26. August, erstmals offiziell auf dem ganzen Platz. Das Osnabrücker Tagesblatt berichtete damals: „Man genießt einen herrlichen Rundblick über die neun Golfbahnen der Anlage, die rings von hohen Fichtenwäldern umgeben ist [...]. Man kann schon heute, nachdem die Anlage im Rohbau fertiggestellt ist [...], feststellen, dass hier eine der schönsten Sportanlagen des Osnabrücker Regierungsbezirks im Entstehen ist.“ Zwar ist einem heute ein Rundblick über die Anlage verwehrt, so sehr sind die Setzlinge von einst in die Höhe geschossen – doch kann es keinen Zweifel geben, dass der Journalist damals mit seiner Prophezeiung richtig lag. Ende September beging man die Platzeröffnung mit einer Sportveranstaltung mit befreundeten Clubs. Zur Feier der Einweihung nahmen die OGCler einen besonderen Feiertag gewissermaßen vorweg: Als man sich 1957 zu einer samstäglichen Tee- und Cocktailstunde zu Ehren der Platzeröffnung im Clubhaus einfand, schrieb man den 3. Oktober.

Sportliche Anfänge

Umgeben vom heute selbstverständlichen Komfort des OGC, fällt es nicht ganz leicht, sich die Atmosphäre des ersten Spielbetriebs zu ergegenwärtigen. Manche, die damals dabei waren, charakterisieren sie mit den Worten „Pfadfindertum für Erwachsene“: Ein erfolgreicher Unternehmer wie Jochen Hellmann campierte am Wochenende wie selbstverständlich im Wald, um den Weg zu den Golfbahnen für seine Familie und sich möglichst kurz zu halten. Als Clubhaus fungierte eine Baracke des ehemaligen
Reichsarbeitsdienstes, die noch in jedem Winkel an ihre ursprüngliche Bestimmung erinnerte. Unvergessen bleibt der Gründergeneration, wie man sich hier an Sonntagen einfand: im rohen Zwirn, auf wackligem Gartengestühl, zusammengepfercht zwischen allerlei Gerät zur Rasenpflege, mehr im Biwak als im Clubhaus einer Golfanlage. Und doch: Der Kanonenofen bullerte, irgendwer hatte immer Kaffee und Kuchen vorbereitet, und niemand hätte die Zusammengehörigkeit dieser frühen Tage gegen etwas anderes eintauschen mögen. Bei aller landschaftlicher Schönheit zeigte sich damals auch eine Schwachstelle des Geländes am Wellinger Berg: Der Boden besteht aus steinigem Mergel mit einer sehr dünnen Humusdecke. So blieb es nicht aus, dass die ersten OGCler mehr Steine als Divots aus dem Boden schlugen. Einmal im Jahr kamen die Mitglieder deshalb zur „Stein-Zeit“ zusammen und sammelten die überflüssigen Findlinge gemeinsam ein.

 
 

Golf in guter Gesellschaft

Das gesellschaftliche Leben des OGC blühte fast vom Tag der Gründung an. Das traditionelle Grünkohl-Essen im Februar bedeutete für viele das Ende des golferischen Winterschlafs und läutete den Reigen der gesellschaftlichen Veranstaltungen im Golferjahr ein. Damals qualifizierte man sich zum Grünkohlmonarchen sinnigerweise durch die Menge des verzehrten Grünkohls, was geradezu unausweichlich Günther à Brassard zum ersten König krönte. Ein glücklicherweise wenig staatstragend abgefasstes Protokoll regelte die Rechte und Pflichten der Majestäten – Humor zählte dabei klar zur ersten Royalistenpflicht. Zur Jahresmitte ging es an die Verleihung des Präsidentenpreises, ein vom jeweiligen Präsidenten ausgerichtetes Fest, mit dem ursprünglich verdiente Vereinsmitglieder geehrt wurden. Im Laufe der Jahre entwickelte es sich zu einem Großereignis im OGC mit zunehmendem Anspruch an den Geldbeutel der amtierenden Präsidenten und tollen Preisen für die glücklichen Gewinner. Preise für fast alle hielt dagegen die so genannte Martinsgans im Herbst bereit. Diese Institution war ausgesprochen typisch für die frühen Jahre des OGC: Nahezu jeder gewann etwas, wenn nicht beim Essen ein paar Zentimeter um die Hüften, so doch beim Spiel Würste, Geflügelkeulen, eine Gans – oder sogar, als bislang einmaliger Clou einer Preisverleihung, ein lebendes Federvieh!